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Können Bakterien wie Listerien, Campylobacter oder Salmonellen ihre Schwangerschaft gefährden?
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In der Schwangerschaft können neben den bekannten Risiken wie Rauchen, Alkoholgenuss, Infektionskrankheiten und chronische Erkrankung der Mutter auch Mikroorganismen (Bakterien) Ihre Gesundheit und die Gesundheit Ihres Kindes gefährden. Mit deren Vorkommen in rohen tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln muss immer gerechnet werden.
Durch das Einhalten einfacher Regeln beim Umgang mit Lebensmitteln bewahren Sie sich und Ihr Ungeborenes vor gesundheitlichen Schäden.
Listerien sind stäbchenförmige Bakterien die in unserer Umwelt (Erdboden, Oberflächengewässer, Pflanzen und bei Tieren) weit verbreitet sind. Da die meisten von uns ohne gesundheitliche Folgen bereits mit Listerien in Kontakt gekommen sind tragen viele (gesunde !) Menschen Listerien im Darm.
Die Listeriose (=Erkrankung hervorgerufen durch Listerien) verläuft meist ohne Symptome oder allenfalls in Form einer milden fiebrigen Erkrankung. Sie kommt sehr selten vor und wird von den meisten Betroffenen gar nicht bemerkt.
Einen schweren Verlauf nicht selten mit tödlichem Ausgang kann die Erkrankung, die 1 bis 8 Wochen nach der Aufnahme der Listerien beginnt, bei Risikopatienten nehmen. Dazu zählen neben alten Menschen, immungeschwächten Personen vor allem Schwangere, ungeborene und neugeborene Kinder sowie Säuglinge. Eine Erkrankung verläuft auch bei schwangeren Frauen in der Regel mit einem unauffälligen grippeähnlichen Bild. Die Listerien werden über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen und es kommt zu einer Fehl- oder Totgeburt. Auch bei der Geburt kann das Kind infiziert werden und es kommt zur schweren Erkrankung des Neugeborenen die in ca. 50 % der Fälle tödlich endet. 1983-87 wurde in der Schweiz eine grosse Zahl von Aborten festgestellt (122 Fälle, 34 Todesfälle1),2)) und 2005 (33 Erkrankungen) wurden 2 Fehlgeburten gemeldet. Ursache war der Genuss von listerienhaltigem Käse.
Listerien werden durch den Verzehr mit Listerien kontaminierter (=Listerien enthaltende) Lebensmittel aufgenommen, doch kann auch enger Tierkontakt (Nutz- und Haustiere) ein Risiko darstellen. Risikoprodukte für Listerien: Eine Besonderheit der Listerien besteht darin, dass sie sich noch bei Kühlschranktemperaturen vermehren können.
Während der Schwangerschaft auf den Verzehr von geräuchertem Fisch und von Weichkäse aus Rohmilch (insbesondere auf regionale Spezialitäten) verzichten und bei anderem Käse die Rinde vor dem Verzehr entfernen!
Campylobacter sind spiralförmige Bakterien, die bei vielen Wild-, Nutz- und Haustieren (Geflügel, Rind, Schwein, bei Hunden und Katzen) im Magen-Darmtrakt vorkommen und sind Ursache der häufigsten durch Lebensmittel verursachten Durchfallerkrankungen. In unserer Umwelt (auch im Kühlschrank zu Hause) können Campylobacter einige Zeit überleben, vermögen sich aber ausserhalb eines Wirtsorganismus (also z.B. in einem Lebensmittel) nicht zu vermehren.
Die Aufnahme von nur wenigen Campylobacter (z.B. mit nicht durchgegartem Fleisch) reicht zur Auslösung einer Erkrankung beim Mensch. 2-5 Tage nach Aufnahme der Campylobacter kommt es zu akutem wässrigen, eventuell blutigem Durchfall mit Bauchkrämpfen, Erbrechen und Fieber. Während der 5-7 Tage dauernden Erkrankung und noch ca. ein Monat darüber hinaus werden die Bakterien im Stuhl ausgeschieden und eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich. In seltenen Fällen gibt es nach einer Campylobacteriose Spätfolgen in Form von Arthritis oder Lähmungserscheinungen.
Campylobacter können in jedem Stadium der Schwangerschaft zu einer schweren Allgemeininfektion führen und Mutter und Kind schädigen. Es kann zum Absterben des Fötus in der Gebärmutter kommen, zur Fehlgeburt oder zur Infektion des Neugeborenen bei der Geburt.
Die Aufnahme der Mikroorganismen erfolgt in den meisten Fällen durch den Genuss kontaminierter Lebensmittel, daneben spielen Tierkontakte (Haustier - Kind!) und Baden in Oberflächengewässern und Infektionen bei Reisen im Ausland eine Rolle.
Risikoprodukte für Campylobacter:
Rohes Fleisch; insbesondere Geflügelfleisch Rohmilch und Rohmilchprodukte verunreinigtes Trinkwasser Badewasser (natürliche Gewässer)
Nur ganz durchgegartes Fleisch konsumieren. Den Kontakt von rohem Fleisch, speziell von Geflügelfleisch, mit anderen Lebensmitteln vermeiden (Fleischsaft !). Salmonellen sind Stäbchenbakterien, die ubiquitär verbreitet sind und bei Mensch (und Tier) zu Erkrankungen führen können. Salmonellen tragen viele Nutz-, Wild- und Haustiere im Darm ohne Symptome einer Erkrankung. Salmonellen werden mit dem Kot ausgeschieden und bei Legehennen besteht die Gefahr, dass die Salmonellen über den Eierstock ins Ei gelangen. Sogenannte primäre Infektionsquellen sind rohe tierische Lebensmittel (Geflügel, Rind, Schwein).
Die Salmonellose ist nach der Campylobacteriose die häufigste durch Lebensmittel verursachte Durchfallerkrankung beim Menschen. 6 bis 72 Stunden nach Aufnahme der Bakterien kommt es zu Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen und Fieber. Während die Erkrankung nach ca. 2 bis 7 Tagen beendet ist werden die Salmonellen noch längere Zeit (einige Wochen) im Stuhl ausgeschieden.
Bei einer Salmonellose in der Schwangerschaft besteht das Risiko einer vorzeitigen Geburt und während der Geburt kann das Kind infiziert werden. In Einzelfällen kann auch eine Salmonellose in Form einer schweren allgemeinen Infektion verlaufen und das Leben des Kindes kann auf diese Weise gefährdet sein. Die Übertragung der Bakterien erfolgt durch den Genuss salmonellenhaltigen Lebensmitteln, von Mensch zu Mensch oder von Tier zu Mensch.
Risikoprodukte für Salmonellen: (Roh-) Eier und Eiprodukte Fleisch, Geflügel, Fisch Speiseeis, Cremen, Patisseriewaren Traiteur-Salate
Salmonellen sind sehr anspruchslos und in den meisten Lebensmitteln können sie sich im Temperaturbereich von 10 bis 45 °C rasch vermehren.
Keine rohe Eier konsumieren, sie können mit Salmonellen verunreinigt sein. Vorsicht bei Risikoprodukten (auf Hygiene-Regeln achten).
Allgemeine Hygiene-Regeln für den Umgang mit Lebensmitteln: | 1. Reinigung | Händewaschen vor Beginn der Arbeit, nach dem Besuch der Toilette, nach Tierkontakten, Gartenarbeit und nach dem Berühren von rohen tierischen oder pflanzlichen Lebensmitteln. Schneidbretter, Geräte und Küchenutensilien nach dem Kontakt mit rohen Produkten reinigen. | | 2. Kühlung, Tiefkühlung | Verderbliche Lebensmittel sofort und ausreichend kühlen. Bei Kühlschranktemperatur (unter 7 °C) vermehren sich krankmachende Bakterien nicht mehr (Ausnahme Listerien !!!). Periodische Kontrolle der Kühl- und Tiefkühlschranktemperatur. Die meisten Bakterien überleben Tiefkühltemperaturen, können sich aber bei so tiefen Temperaturen nicht vermehren ! | 3. Trennung | Pathogenen (=krankmachenden) Mikroorganismen können von einem (meist rohen) auf andere Lebensmittel übertragen werden. Dies kann auf direktem Wege (z.B. Auftauflüssigkeit von Geflügel oder Fleisch kommt in Kontakt mit gekochtem Gemüse) oder auf indirektem Wege, über Küchengeräte, Schneidbretter, Hände, Tücher etc. geschehen. Rohe Produkte und verzehrsfertige Lebensmittel getrennt aufbewahren und Kontakt vermeiden. | | 4. Erhitzen | Rohe Lebensmittel wie Fleisch, Geflügel, Eier, Rohmilch und Gemüse können Krankheitserreger tragen. Pasteurisation der Milch, Braten und Garen von Fleisch (Kerntemperatur mind. 70 °C während 10 Minuten) tötet die krankmachenden Keime ab. Spiegeleier und Rühreier sollten durchgebraten sein und Frühstückseier mind. 5 Min. gekocht werden. | | 5. Waschen, schälen, Blanchieren | Dadurch ergibt sich eine wesentliche Reduktion der Keimbelastung von pflanzlichen Rohprodukten |
Literatur 1) IFST, 1996 2) Journal of Diary Science Vol 87, E. Suppl.2004
4. Juli 2005
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